Geschichte

Chronik des Turnvereins – 100 Jahre und mehr...

Bereits 1880 erkannte man in unserer Gemeinde den Wert des Turnens für Körper und Geist. Es dauerte allerdings bis zum 7.August 1897, bis die Gründung eines Vereins, des Turnvereins Forst, erfolgte. Friedrich Dill konnte im „Deutschen Kaiser“ 25 Gründungsmitglieder begrüßen.

Folgende Vorstandschaft wurde gewählt:

Vorstand Josef Bacher
Turnwart Leonhard Leibold
Schriftwart Peter Bacher
Geldwart Ludwig Kuch
Zeugwart Friedrich Dill
Diener Josef Spänle

Die Finanzen waren damals wie heute knapp. Max Böser erklärte sich bereit, dem Verein zur Anschaffung von Sportgeräten die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Turnbetrieb konnte beginnen. Ein Jahr später, 1898, trat der Verein mit einem Gartenfest an die Öffentlichkeit, um die erlernten Turnübungen der Bevölkerung von Forst zu demonstrieren. Bis zum Jahr 1904 wurden diese Gartenfeste jährlich durchgeführt, wobei sich daran auch neugegründete Turnvereine aus den Nachbargemeinden beteiligten.

Im Jahre 1905 wollte der Turnverein auf dem Kirchplatz ein Schauturnen vorführen. Die Gemeinde lehnte diesen Antrag ab und somit waren die Turner gezwungen, ihre Veranstaltung im Garten des Gasthauses „Zur Rose“ abzuhalten. Ein weiteres Jahr später erhielt der Turnverein vertraglich einen Turnplatz neben dem Schulhaus zugesichert. Über 30 Turner erschienen regelmäßig zu den wöchentlichen Übungsstunden. Dies galt jedoch nur für die Sommermonate. Während des Winters mußte man den Turnbetrieb in einer Kegelbahn, die sich auf einem Eiskeller befand und zum Teil auch in verschiedenen Scheunen, durchführen.

1910 konnte der Turnverein Forst unter dem damaligen Vorstand Karl Bender das Fest der Fahnenweihe begehen. Mit dieser Feier war ein Gerätewettkampf des Kraichturngaus verbunden, bei dem über 400 Turner aus dem Kreis antraten. Zwei Jahre später erhielt der Turnbetrieb einen herben Rückschlag. Die Gemeinde kündigte das Vertragsverhältnis über den Turnplatz neben dem Schulhaus. Der Platz mußte innerhalb einer Woche geräumt werden. 

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Turnbetrieb jäh unterbrochen. Erstmals trat der Turnverein wieder 1922 mit einer größeren Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Vom 24. – 26. Juni 1922 feierte man das 25.Stiftungsfest. Auch sportlich erbrachte das Jubiläumsjahr erfreuliche Nachrichten. Die Turnriege des Turnvereins Forst erreichte am 9.Juli 1922 mit insgesamt 27 Teilnehmern beim Gaugruppenturnen in Neckarau unter 120 teilnehmenden Vereinen den 1.Platz.

 In den darauf folgenden Jahren beteiligte man sich erfolgreich bei Kreisr und Gaufesten. Neben dem Turnen wurden zu dieser Zeit noch die Sportarten Leichtathletik und Handball betrieben. Das nächste Ziel war die Schaffung einer geeigneten Platzanlage. 1929 erhielt der Turnverein vom Forstamt Bruchsal einen Platz an der Hambrücker Straße pachtweise zugeteilt. Die Mitglieder erklärten sich bereit, diesen Platz nach der Abholzung selbst zu roden und instandzusetzen. In mühevoller Arbeit wurde ein schöner Platz geschaffen, der 1932 durch den freiwilligen Arbeitsdienst in eine Sportanlage umgewandelt werden konnte.

Unter der Leitung von Bauführer Ernst Wörner entstanden eine Rundbahn, Sprunggruben sowie ein Umkleideraum und das Spielfeld wurde gleichzeitig vergrößert. Damit hatte der Turn-verein eine der schönsten Anlagen im Kreis. Die neue Anlage war auch die Grundlage Für eine Aufwärtsentwicklung in fast allen Sportarten. Erinnert sei hierbei an die Erfolge bei den Deutschen Turnfesten 1933 in Stuttgart und 1938 in Breslau sowie bei den Badischen Landesturnfesten 1935 in Karlsruhe und 1939 in Mannheim. In diese Zeit fällt auch die Gründung unserer Turnerinnenabteilung und der Aufstieg der Handballer in die Bezirksklasse. 

Der Neubeginn des Vereinslebens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gestaltete sich äußerst schwierig. Die Protokollbücher der Jahre 1932 – 1944 wurden von der Besatzungsmacht eingezogen. Paul Göbel konnte unsere Vereinsfahne unter schwierigen Umständen retten. Die Besatzungsmacht verhängte zunächst ein Verbot sportlicher Betätigung. Nach einer späteren Lockerung dieses Verbots ergriff Wilhelm Göbel die Initiative. Am 2.Februar 1946 erschienen 113 Mitglieder im Vereinslokal „Zur Traube“. In den einzelnen Abteilungen verspürte man einen entsprechenden Aufwind, die sportlichen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Dies gilt insbesondere für die Leichtathleten und Handballer. Das 50-jährige Jubiläum begann am 19.April 1947 mit einem Schauturnen, an dem sich mehrere Turnvereine aus dem Kreis beteiligten. Eine besondere Note erhielt das Jubiläum durch die Teilnahme süddeutscher Spitzenturner.

Der Bau einer eigenen Turnhalle zählte in den 50-er Jahren zu den Hauptaufgaben des Turnvereins. Am 1.Juli 1952 vollzog sich der 1.Spatenstich und am 25.Oktober 1953 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Ortsvereine beteiligten sich an einer Fensterspende für die Jahnhalle, die am 27.und 28.März 1954 eingeweiht wurde.

Als weitere Abteilungen kamen 1951 eine Fußballgruppe und 1956 eine Tischtennismannschaft zum Turnverein.

Bauen und Arbeiten wurden in den Jahren 1963 – 1966 beim Turnverein wieder großgeschrieben. Unter den Vorständen Franz Veit und Bernhard Bonert sowie mit maßgeblicher Beteiligung von Ewald Bacher und Herbert Zunker konnte ein neues Sporthaus errichtet und die Anlage neu gestaltet werden.

1972 feierte der Turnverein seinen 75. Geburtstag. Vom 14. - 23. Juli boten wir ein abwechlungsreiches Programm. Dieses Jubiläum war die erste große Herausforderung für den heutigen Ehrenvorsitzenden Ewald Bacher, der von 1970 – 1983 den Vorsitz beim Turnverein Forst übernahm.

Zu den sportlichen Höhepunkten des Festprogramms zählten das Gaukinderturnfest, die Kreismeisterschaften in der Leichtathletik, ein Tischtennisvergleichswettkampf und ein Handballwerbespiel. Das Programm wurde abgerundet durch einen bunten Abend unter Mitwirkung einer Trachtengruppe aus Abtenau bei Salzburg und einen Feldgottesdienst unter Pfarrer Alfons Hess, der selbst Mitglied beim Turnverein Forst war.

In den jeweiligen Abteilungen wurde seinerzeit rege Sport getrieben. Erfolgreich agierten damals die Leichtathleten, unsere Faust – und Handballer, die Tischtennisspieler und die Trampolinturner zusammen mit der TSG Bruchsal. 

In den 70er und 80er Jahren erlebte der Turnverein Forst einen Ausbau seiner Abteilungen. Der Handballsport wurde 1970 wieder aufgenommen, die Männergymnastik gründete sich im selben Jahr. Die Abteilung Volleyball wurde 1976 ins Leben gerufen, ein Jahr später folgten die Wanderer. Abgerundet wird dieses Bild durch die Triathleten, die 1988 eine eigene Abteilung bei uns gründeten.

Ebenfalls in den 70er und 80er Jahren erfuhr der Sport beim Turnverein durch den Bau der Waldseehalle und den Umbau der Jahnhalle einen enormen Aufschwung. Beim Umbau der Jahnhalle in den Jahren 1984 – 1987 zeigte der Turnverein, was in ihm steckt. Diese 3-jährige Baustelle forderte dem Verein alles ab; finanziell und ehrenamtlich wurden Höchstleistungen erwartet und erbracht. Unter dem Vorsitz von Klaus Reinhard gelang es dem Turnverein, ein perfektes Gemeinschaftswerk zu vollbringen. Die Halle ist heute das Aushängeschild des Vereins sie ist schuldenfrei und wird von den Abteilungen rege genutzt. 

Seit der Deutschen Wiedervereinigung ist die Partnerschaft mit den Sportfreunden aus Landsberg in der Nähe von Leipzig fester Bestandteil der Vereinschronik. Im Jahr 1990 unterzeichneten Bürgermeister Horst Weigt und Vorsitzender Frank Eckert eine Partnerschaftsurkunde. Der Geist dieser Urkunde, nämlich Begegnungen und Gespräche auf beiden Seiten anzubieten und auszubauen, beherrscht bis auf den heutigen Tag die gegenseitigen Beziehungen. Ein eindeutiger Beleg hierfür sind unzählige Austauschbegegnungen in Landsberg und Forst in den zurückliegenden Jahren.

Rechtzeitig zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1997 fand die Neuordnung der Sportstätten durch die Gemeinde Forst ihr Ende. Prunkstücke sind das neue Stadion als Ersatz für den ehemaligen Sportplatz und das Regiegebäude als Dreh und Angelpunkt inmitten weiterer Spielfelder. Die Gemeinde ist seitdem auch Eigentümer des ehemaligen TV-Sporthauses und des FC-Clubhauses. Viele Sportveranstaltungen konnten seit Fertigstellung im neuen Sportzentrum durchgeführt werden, so z.B. die Deutschen Faustballmeisterschaften, ein Fußballänderspiel der Fußballjuniorenauswahl gegen Frankreich und zwei Freundschaftsspiele von Bayern München und dem 1.FC Kaiserslautern. Durch diese mutige Investition der Gemeinde erfuhr der Sport in Forst einen weiteren Aufschwung, von dem vor allem die Leichtathleten und Triathleten des Turnvereins profitieren.

Das Jubiläumsjahr war durch eine Vielzahl hochkarätiger Veranstaltungen im sportlichen und kulturellen Bereich geprägt. Hierzu zählten der Ehrenabend in der Waldseehalle mit über 400 Gästen, das Gaukinderturnfest mit über 1000 Teilnehmern im neuen Stadion, die Deutschen Faustballmeisterschaften, die Kreismeisterschaften in der Leichtathletik, der Internationale Volkswandertag, der Heidesee – Triathlon und eine „Oldie – Night“ mit den Starboys,den Blizzards und Markees in der Waldseehalle. 

Dem Turnverein Forst ist es ein wichtiges Anliegen, dem Ehrenamt in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung zukommenzu lassen. So gehören die jährliche Verleihung der Jahnmedaille, des Regional -,Jugend – und Talentförderpreises mittlerweile zu einer im Ort und in der Region viel beachteten Initiative. Höhepunkt war zweifelsohne der Besuch des ehemaligen Außenministers und Vizekanzlers der Bundesrepublik Deutschland, von Herrn Dr.Klaus Kinkel am 27.Januar 2002 in der Jahnhalle, anläßlich der Verleihung der jährlichen Ehrenamtspreise.Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung, der auch Landrat Claus Kretz beiwohnte, stand die erstmalige Verleihung des TV – Ehrenringes an den langjährigen Kassier Dieter Weindel.

Vorsitzender Frank Eckert, seit 1990 in diesem Amt, widmet sich der Anerkennung des Ehrenamtes in besonderer Weise. Für ihn steht zweifelsohne fest, daß nur so auch in Zukunft Mitstreiter für Ehrenämter gewonnen und überzeugt werden können. Er wird weiterhin sein Amt dazu nutzen, um Politik und Ehrenamt miteinander ins Gespräch zu bekommen.

Zur Vereinsphilosophie des Turnvereins zählt auch ein gutes Verhältnis zu den benachbarten Vereinen FC Germania und AC Forst sowie zur gemeinsamen Helfertruppe,die sich aus Mitgliedern des Turnvereins und Fußballclubs zusammensetzt. Gleiches gilt für vielfältige Kontakte zu den jeweiligen Sportverbänden, bei denen der Turnverein Forst mittlerweile über einen guten Ruf verfügt.

Die Vorstandschaft des Turnvereins wird weiterhin daran arbeiten, daß man über uns viel und positiv spricht – das sind wir unserem Ehrenamt schuldig.